Die Schlammfaulung
Wie bereits in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben wird die überschüssige Biomasse , also der
Schlamm aus den Belebungsbecken der 1. und 2. Stufe mit Pumpen abgezogen.
Dieser gelangt zunächst in die Voreindicker bzw. die Zentrifugen zwecks Eindickung.
Von dort wird der Rohschlamm (der heißt jetzt so) durch die Vorwärmetauscher und Hauptwärmetauscher in
den 1. Faulturm gepumpt. Dieser Faulturm hat eine Betriebstemperatur von 55 °C. Bei diesem Verfahren spricht man
von "thermophiler Faulung". Der Schlamm in den eiförmigen Faultürmen wird kontinuierlich umgewälzt , um eine
optimale Temperaturverteilung zu gewährleisten und um eine Sedimentation zu vermeiden. Die eiförmige Bauform bietet dazu
die besten Vorraussetzungen.
Der Faulprozeß ist wie der Reinigungsprozeß des Abwassers ein biologischer Vorgang, an dem verschiedene Bakterienstämme zusammenwirken. Wie der Name Faulung
schon vermuten läßt , findet dieser Prozeß "anaerob" also in Abwesenheit von Sauerstoff statt. Die Mikroorganismen sind
ja bereits aus den beiden Reinigungsstufen im Schlamm vorhanden. Diese Bakterien sind "fakultativ anaerob" d.h. sie können
sowohl gelösten Sauerstoff , als auch Sauerstoff aus organischen Verbindungen atmen. Letzteres ist bei der Faulung der Fall.
Im ersten Schritt zerlegen diese Bakterien die hochmolekularen Stoffe um sie "mundgerecht" zu machen. Diese würden sonst
nicht durch deren Zellwand passen. Diesen 1. Schritt nennt man Hydrolyse oder "saure Faulung" bei dem Stoffe wie z.B. Essigsäure ,Buttersäure ,
Schwefelwasserstoff oder Ammoniak entstehen , welche durch Ihren unangenehmen Geruch bekannt sind.
Im 2. Schritt bilden sogenannte "acetogene Bakterien" aus den Säuren das für die Methanbakterien notwendige Acetat , Wasserstoff und
Kohlendioxid. Im letzten Schritt kommen die Methanbakterien ins Spiel , die wie der Name schon sagt , Methangas bilden.
Diese Bakterien sind sehr empfindlich gegenüber Licht , Sauerstoff und plötzlichen Temperaturschwankungen. Daher muß dem Faulprozeß
erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Zudem vermehren sich diese Bakterien nur sehr langsam.
Das entstehende Methangas wird anlagenintern in Strom und Wärme umgewandelt.
Der Schlamm wird nach der thermophilen Faulung in Wärmetauschern wieder auf 35 °C abgekühlt und dann in den restlichen 4 Faultürmen ausgefault.
Der Vorteil der thermophilen Faulung besteht in einer um etwa 25% höheren Methangasproduktion (Klärgasproduktion) , einer teilweisen Entseuchung und
einer besseren Stabilisierung des Schlamms. Stabilisiert ist ein Schlamm wenn er "ausgefault" ist , also nicht mehr Faulen kann.
Ein solcher Schlamm kann beispielsweise als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden oder als Brennstoff in Kraftwerken verwendung finden.
NEU: Animation Faulbehälter
Faulbehälter und Gasspeicher,
Auf dem Faulbehälter
|