Blähschlamm

Im Ablauf des Belebungsverfahrens werden verschiedene Anforderungen an die Belebtschlammflocken gestellt. Im Reinigungsprozeß ist es von Vorteil wenn die Flocken eine möglichst große Oberfläche besitzen. So können sie leicht in Schwebe gehalten werden und weisen eine hohe Stoffwechselaktivität auf.
Im Nachklärbecken sollen die Flocken jedoch zu Boden sinken um dem Wasser entzogen werden zu können. Die Flocken müssen optimalerweise schwer, kompakt und inaktiv sein.
Diese gegensätzlichen Anforderungen bedeuten, das ideale Zustände in den beiden Verfahrensschritten nicht möglich sind. In der Realität ist die Beschaffenheit einer normalen Belebtschlammflocke irgendwo zwischen diesen Beiden idealen.
Kommt es zu einer Verschiebung in die ein oder andere Richtung, kommt es meistens zu Problemen im Prozeßablauf. Meist verschiebt sich die Beschaffenheit in Richtung Oberflächen- vergrößerung der Flocke durch fadenförmige Organismen die ein dichtes Fadengeflecht bilden.
Hervorgerufen durch bessere Wachstumsbedingungen dieser Spezies nehmen diese Überhand. Im Prozeß kommt es zu Problemen beim Absetzverhalten des Schlammes, welcher in der Schwebe haltend dem Wasser nicht mehr in prozeßüblicher Zeit entzogen werden kann. Je schlechter das Absetzverhalten, desto größer wird das Volumen das der Schlamm einnimmt. Er bläht sich auf!

Man unterscheidet 3 verschiedene Auswirkungen
  • Blähschlamm

  • viele unterschiedliche fadenförmige Organismen,
    wie Typ 021N , Thiothrix spec. , Spaerotilus natans.
    Schlechte Absetzeigenschaften
  • Schwimmschlamm

  • Stark verdichtete feste Biomasse mit TS > 10g/l
  • Schaum

  • Tritt häufig in Faulbehältern auf. Viskos und leicht.

    Ursache für das Aufreten ist eine Verschiebung des Gleichgewichtes in der Biozönose zugunsten der Fadenorganismen. Auslöser können sein, Temperatureinflüsse, Nährstoffkomponenten oder Sauerstoff-Konzentrationsunterschiede, Stickstoffmangel, Phosphormangel, hohe Konzentration organischer Säuren.

    Bei höheren Abwassertemperaturen sind häufig die Organismen
    Typ 0092 und Typ 0041 anzutreffen.
    Häufig findet sich auch Microthrix parvicella.

    Abhilfe:
    Als unspezifische Maßnahme eignet sich die Dosierung von Eisensalzen oder Flockungshilfsmitteln.
    Damit erreicht man eine Beschwerung der Flocke und damit bessere Absetzeigenschaften. Die Struktur der Flocke bleibt dabei jedoch erhalten.

    Als spezifische Maßnahme wird die kinetische Selektion und die metabolische Selektion eingesetzt.
    Die kinetische Selektion baut darauf auf die Vermehrung der flockenförmigen Organismen zu verbessern und den Vorteil der Fadenförmigen auszuräumen. Die Fadenförmigen haben den Vorteil einer relativ größeren Körperoberfläche. In einem schwach belasteten Becken können sie dadurch mehr Nährstoffe aufnehmen und schneller wachsen als die Flockenförmigen.
    Wird nun ein hochbelastetes Becken (Selektor) dem schwach belasteten Becken vorgeschaltet, kommt der Rücklaufschlamm, also beide Organismengruppen, mit immer ausreichend Nährstoffen in Kontakt.

    Die metabolische Selektion will den fadenförmigen Organismen das Substrat, also die Nährstoffe gezielt entziehen. Speziell Microthrix parvicella ist auf langkettige Fettsäuren spezialisiert. Er kann sie unter anearoben, aeroben und anoxischen Bedingungen aufnehmen. D.h. er kommt auch in der Faulung vor (Schaumbildung). Die Fettsäuren werden in Lipide umgewandelt und unetr aeroben Bedingungen zum Wachstum verwendet. Die kinetische Selektion wirkt somit auf diesen Organismus nicht. Wirksam dagegen ist der Einsatz von Aluminiumverbindungen. Durch den Einsatz saurer Al-haltiger Fällmittel (AlCl3 / PAC) veringert sich die Verfügbarkeit der langkettigen Fettsäuren.

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